
Was haben der griechische Philosoph Platon, das Erfrischungsgetränk Sprite und Britney Spears gemeinsam. Auf den ersten, zweiten und dritten Blick nicht besonders viel. Doch wenn man länger nachdenkt, dämmert es einem: Image. Platon sagte schon vor über zweitausend Jahren, dass wir eine Höhle erst dann als Höhle erkennen, wenn uns vorher jemand gesagt hat, dass es wirklich eine Höhle ist. Sprite hatte vor nicht allzu langer Zeit den Slogan „Image ist nichts“ für sich sprechen lassen – und lag damit massiv daneben. Und Britney Spears? Die zeigt, dass vor allem das Image eines Produkts und die Meinung der Öffentlichkeit über Erfolg und Misserfolg entscheiden – und nicht zwangsläufig die Qualität.
Erinnern wir uns: Im Herbst 2007 trat Britney Spears bei den MTV Music Awards auf und präsentierte ihre damals neue Single „Gimme more“. Der Auftritt war desaströs, Britney in einem katastrophalen Zustand, übergewichtig, nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte und der Song zugegeben nicht der Allerbeste. Der einhellige Tenor: Britneys neues Album ist großer Mist. Die Folge: „Blackout“, eine sehr teure Produktion, floppte. Britney stürzte noch weiter ab, verlor das Sorgerecht an ihren Kindern, musste in psychiatrische Behandlung und steht trotz ihrer Volljährigkeit unter der Vormundschaft ihres Vaters.
Die Wahrheit aber war, dass „Blackout“ kein schlechtes sondern ein durchaus gelungenes, zeitgemäßes Album ist. Nur passte diese Wahrheit nicht ins Bild derjenigen, die Britney in den Abgrund schreiben wollten und schrieben.
Britneys Vater hat das alte Management gefeuert, seine Tochter wieder auf Vordermann gebracht, und spätestens seit diesem Zeitpunkt wissen wir, dass Image alles ist: Britney gibt sich geläutert, räumt Fehler ein und wirkt so fit wie schon lange nicht mehr. Britney ist also wieder, wie zu Beginn ihrer Karriere, das Mädchen von nebenan: freundlich und ausgeglichen. Und eben die Journalisten, die Britney vor einem Jahr schon als tot vermeldeten, feiern sie nun für ihre triumphale Rückkehr.
Die Wahrheit aber ist, dass „Womanizer“ gar kein so unglaublich tolles Lied und „Circus“ kein so unglaublich gutes Album ist. Zumindest nicht so gut wie die amerikanische Presse behauptet. Aber gut genug, um Britney als Pop-Prinzessin zu feiern. Und gut genug, um als „Album der Woche“ prämiert zu werden.
Was also lehrt uns die Geschichte? Dass die Wahrheit viele Seiten hat, dass Image Menschen mehr beeinflusst, als sie es vermuten und dass es vom Philosophen Platon nur ein Katzensprung ist zu Britney Spears. Wer hätte das gedacht?


massenpublikum» Blogarchiv » Bei mitStil gibt es etwas zu gewinnen sagt:
[...] in den Himmel gelobt – aber auch massenkompatible Platten von Katy Perry, David Garrett oder Britney Spears rezensiert. Im Laufe des heutigen Tages wird es noch einen Beitrag zu „Working on a Dream“, dem [...]
26. Januar 2009, 13:31