Album der Woche: David Garrett – Encore

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Klassische Musik ist selten cool. Ältere Herren und ältere Damen – meist eher vollschlank denn attraktiv – singen und spielen Stücke von längst verstorbenen Künstlern, die man schon mindestens eine Million Mal gehört hat. Wie langweilig, denkt die Jugend und hört weg. Und dann gibt es noch David Garrett: Der 28- Jährige widerlegt alle Klischees über klassische Musik.

Rein von der äußeren Erscheinung könnte der in Aachen geborene Geiger auch Mitglied einer Boygroup sein. Mit seinen blonden Haaren, die in der Regel zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden sind, und seinen leuchtenden Augen verfügt Garrett das Potenzial, auch als Modell zu arbeiten. Doch das muss er gar nicht. Schließlich gilt er schon seit vielen Jahren als einer der talentiertesten Geiger der Welt. Gerade mal 13 Jahre war Garrett alt, als er von der „Deutsche Grammophon“, einem der erfolgreichsten Klassik-Labels der Welt, als Exklusiv-Künstler unter Vertrag genommen wurde. Ein Wunderkind also. Doch das sollte er nicht bleiben.

Spätestens 2008 wurde David Garrett mehr als ein begnadeter Geiger, er wurde zum Popstar. Durch das Album „Encore“. Darauf spielt Garrett nicht die Werke von Händel oder Mozart, sondern Songs von Queen, Michael Jackson oder AC/DC – klassisch. Dass das nicht peinlich sondern wahnsinnig cool klingt, liegt an der Virtuosität Garretts. Eben die bewahrt „Encore“ auch vor den vernichtenden Kritiken, die auf ähnliche Klassik-Pop-Crossover-Projekte einprasseln. Sonst nämlich spricht man gerne abfällig von Populär-Klassik und davon dass die Musiker wenig drauf haben. Genau das aber kann man David Garrett nicht vorwerfen.

Auf dem Album sind nicht nur moderne Stücke zu finden sondern auch etwa ein Teil von Vivaldis “Vier Jahreszeiten” in einer sehr modernen Interpretation. David Garrett sorgt mit „Encore“ dafür, dass sich in Zukunft wieder mehr Menschen für klassische Musik interessieren werden. Das allein ist ein große Leistung. Im nächsten Schritt aber wird sich auch das Genre der Klassik verändern: Die Protagonisten werden damit leben müssen, dass sie über kurz oder lang jünger, authentischer und cooler wirken müssen, als sie es bisher getan haben. Nur dann werden sie langfristig für eine große Masse relevant sein – wie nun eben David Garrett.

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