»I was born in 1981 -
Yeah, things just had begun.
But this Year will be mine,
the Year 2009.«
Mit diesen Worten beendet Milow (www.milow.com) seinen Song »Canada« bei einem Live-Konzerte in Amsterdam (
). Und wie recht er mit diesen Worte hat. Im letzten Jahr hagelten die Awards auf den gebürtigen Belgier ein wie der Regen zur Monsunzeit. Und womit? Mit Recht! Milow, der mit bürgerlichem Namen Jonathan Vandenbroeck heißt, hat sich seine Karriere selbst gebastelt. Er gründete mit finanzieller Unterstützung seiner Freunde und Verwandten ein eigenes Label, ist noch immer sein eigener Manager und bastelt schon fleißig am nächsten Album – weil er zeigen will, dass das Jahr 2009 kein Zufall war.
Ich habe mich mit dem aufgeweckten Belgier auf einen Kaffe getroffen und wollten wissen, was Jonathan Vandenbroeck für ein Typ Mensch ist. Er ist nett, so viel schon mal vorweg.
Jonathan, in dem Song »Born in the Eighties« singst du von der Kontrullwut unserer Generation. Viele Songs handeln aber auch vom Träumen. Bist du eher ein Träumer oder ein Kontrolleur?
Ich war immer ein Träumer. Ich habe immer davon geträumt, Musiker zu werden. Auch wenn mir viele Leute gesagt haben, dass das nichts wird und dass es hart sei, war ich naiv und habe es immer weiter versucht. Diesen Song »Born in the Eighties« wollte ich eigentlich für meine Freunde schreiben. Dann wurde er mehr ein Song über unsere Generation. Beim Schreiben habe ich mich gefragt, was diese Generation ausmacht. Natürlich ist das schwierig, denn sie besteht aus vielen Individuen, aber selbst diese haben eines gemeinsam: Unterbewusst wollen sie alles kontrollieren. Niemand mag es gern, wenn alles »einfach so« und »plötzlich« passiert. Aber diese Kontrollwut ist dumm, denn das Leben ist voller unerwarteter Momente. Ich würde sagen, dass ich definitiv ein Träumer bin, aber Kontrolle ist immer dabei.
Wenn du sagst, du hast immer davon geträumt, Musiker zu werden: Hast du von Anfang an alles auf eine Karte gesetzt oder passierte es einfach?
Für mich war es ein ziemlich langsamer Prozess. Es kam eins zum anderen. So lange ich denken kann, ist Musik ein wichtiger Teil in meinem Leben. Irgendwann habe ich mir die Gitarre geschnappt und meinen ersten Song geschrieben – der natürlich ziemlich schlecht war. Als ich meine erste Band verlassen hatte, wollte ich meine eigene Musik machen. Es gab für mich nie einen Master-Plan und die Musik, die ich jetzt mache, hätte ich mir mit 16 Jahren nie zugetraut. Da ging‘s eher in Richtung Rock-Band. Ich habe mich immer aufs Songwriting und Singen konzentriert, wollte mich dort immer weiter entwickeln. Wenn du dir jetzt eine zehn Jahre alte Aufnahme anhörst, würdest du wegrennen. Singen ist wie ein Muskel, den du trainieren musst, damit du besser wirst – manchmal auch schlechter.
Die angesprochenen uralten Aufnahmen wären sicherlich interessant…
… wenn ich sie nicht alle verbrannt hätte. (lacht)
Okay, schade. Also zurück zu etwas Neuem: Du hast jetzt mit »Out of my Hands« deine dritte Single in Deutschland veröffentlicht. Magst du uns etwas zu dem Song und der Zusammenarbeit mit Marit Larsen erzählen?
»Out of my Hands« war schon immer ein ganz besonderer Song für mich auf diesem Album. Er ist im Vergleich zu »You Don‘t Know« und »Ayo Technology« ein eher ruhiger Song. Es geht um späte Einsicht, ums »Auf Wiedersehen« sagen und ganz besonders ums Bedauern. Entweder im Bezug auf eine beendete Beziehung, egal ob Freundschaft oder unter Liebenden – oder im Bezug auf den Tod. Ich bin sehr stolz auf den Titel und war erstaunt, dass mein deutsches Label diesen Song veröffentlichen wollte.
Ich habe Marit Larssen zum ersten Mal bei einem Festival in Berlin getroffen. Zu der Zeit kannte ich nur ihren großen Hit „If a Song Could Get me You“, aber an dem Tag waren wir die Einzigen mit einer Akustik-Gitarre. Es hat irgendwie gepasst. Es ist die beste Version, die ich von diesem Song jemals aufgenommen habe und es ist der perfekte Soundtrack zu einem entspannten Frühlingstag.
Wie kann ich mir die letzten fünf Minuten vor einem Konzert vorstellen?
In den letzten Minuten vor einem Konzert ist ziemlich viel Hektik. Wir haben ein Ritual in der Band: Es wird eine „Best of 70s“-CD eingelegt, zu der dann alle mitgrölen können und nebenbei gibt‘s ein Glas Rum. Aber das gibt es sowieso jeden Abend. Wir machen viel Party, wenn wir unterwegs sind.
Du wirst nächstes Jahr 30 Jahre alt. Wenn du jetzt mal ein bisschen weiter zurück denkst: Hattest du eine glückliche Kindheit? Vielleicht hast du auch irgendeine spannende oder lustige Story aus jüngeren Tagen?
Oha, da hast du mich aber erwischt! 30 Jahre schon? Naja, wie die Zeit vergeht… Wie viele Teenager hatte auch ich verdammt viele Sorgen in meiner Jugend. Ich habe die Schule gehasst. Es war ziemlich streng und es ging immer darum, zu sein, wie alle es gern sehen. Ich wollte anders sein, aber ich wusste nie, wie ich das am besten anstelle. Eine besondere Story aus meinen jüngeren Tagen? Mir fällt nichts ein. Ich habe es erfolgreich verdrängt.
Stichwort: Urlaub. Hast du ein Lieblings-Reiseziel?
Kalifornien ist für mich einer der schönsten Orte auf dieser Welt. Ich habe da mal für ein Jahr gelebt und ich genieße es jedes Mal wieder, meine Freunde dort besuchen zu können. Aber auch jede Tour fühlt sich ein bisschen wie ein langer Urlaub an.
Apropos Tour: Was können wir von Milow 2010 erwarten?
Ich möchte in diesem Jahr zwei besondere Dinge erledigen. Ich möchte zum Einen mir selbst und allen Anderen beweisen, dass alles, was in 2009 passiert ist, kein Zufall war. Mir ist sehr wichtig, dass die Leute wissen, dass das letzte Jahr kein spontaner Anfang für mich war. Für Viele bin ein Newcomer, aber dieser Höhepunkt aus dem letzten Jahr liegt für mich irgendwo in der Mitte eines langen Zeitstrahls. Ich möchte diese Menschen auch live überzeugen und viele Konzerte und Festivals spielen. Zum Anderen – und das ist das Wichtigste für mich in diesem Jahr – möchte ich ein neues Album komponieren und aufnehmen. Das klingt auf der einen Seite ziemlich simpel, aber natürlich ist das auf der anderen Seite auch eine große Herausforderung. In jeder freien Minute werde ich neue Songs schreiben und sie weiter optimieren. Wenn alles klappt, dann wird das Album im Januar 2011 veröffentlicht. Zumindest kann ich mich somit ein bisschen unter Druck setzen, dass ich es dieses Jahr packe.
Das klingt bodenständig und macht Lust auf die nächste Platte. Eine abschließende Frage: Was würdest du gerne mal über Milow in den Zeitungen und Zeitschriften dieser Welt lesen?
Das ist eine tolle Frage. Lass mich überlegen… Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass wir uns wieder mehr auf die Musik an sich und nicht auf den Trubel und die Verleihungen und Preise drum herum konzentrieren. Es zählt nur der Grund, warum man Preise bekommt, und nicht die Art, wie man am besten an sie rankommt.
Ich möchte einfach immer mein Bestes geben und alles tun, was möglich ist. Ich möchte nicht in zehn Jahren zu Hause sitzen und etwas bedauern. Ich will nicht sagen müssen „Hätte ich doch bloß mehr gemacht.“
Der Grund, warum viele Leute auf der Bühne stehen und Musik machen ist, weil sie Komplimente hören wollen oder gemocht werden wollen. Ich will mich davon nicht ausnehmen. Ich spiele gerne live, weil ich meine Gedanken mitteilen möchte, aber auch weil ich etwas zurück bekommen will. Vielleicht soetwas wie:
»Milow spielt überragendes Konzert in Hamburg.«
Vielen Dank, Jonathan. Es hat Spaß gemacht.
Mir auch. Vielen Dank!
[Foto: Universal Music, Emma Andersson]




Comments